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Das Leben ist kein Ponyhof – oder doch?

Seit meiner Kindheit verbindet mich diese Liebe mit den Pferden, seit etwa 30 Jahren pflege und reite ich meine eigenen, zur Zeit sind es eine  Araberpintostute (20) und ein Andalusier (10) , die im Offenstall leben. Davor waren es eine Vollblutstute (1985 bis 1998) und ein Shagya-Araber(von 1987 – 2015).

Der Shagya musste am 2. Januar 2015 im Alter von fast 30 Jahren eingeschläfert werden, er fiel einfach auf der Wiese um und konnte nicht mehr aufstehen. Das war traurig, aber doch aufgrund seines schon lange schlechten Gesundheitszustandes zu erwarten gewesen, nur den Augenblick habe ich soweit hinaus gezögert, bis das Pferd mir  die Entscheidung letztendlich abgenommen hat. Der Wallach hatte mich 27 Jahre lang begleitet. Seine Geschichte möchte ich hier erzählen und ihm so eine Art Denkmal setzen.

Im Dezember 2014 kaufte ich den Spanier dazu, vor allem als Gesellschaft für meine Stute, da es dem Shagya immer schlechter ging und das Ende schon abzusehen war, auch wenn es mir sehr schwer fiel, das einzugestehen. Dieses neue Pferd bedeutet eine unvorhergesehene Herausforderung, der ich mich aber gerne stelle. Auch davon wird hier berichtet werden.

Ich würde mich als „Feld-, Wald- und Wiesenreiterin“ bezeichnen, wobei das Reiten nicht im Vordergrund steht, eher der Umgang und die Pflege der  Pferde. Trotzdem ist mir eine vernünftige Ausbildung immer wichtig gewesen und es macht mir Spaß einem Pferd etwas zu vermitteln und mit ihm zu arbeiten. Wenn ich reite, dann am liebsten in der Natur. Eine Halle brauche ich nicht.

Meine Pferde sind für mich Familie, und manchmal auch  Therapeuten. Oft schon waren sie Trost in dunkleren Zeiten. Bei den vielen Wechseln und Veränderungen, die das Leben immer so mit sich bringt, waren die Pferde immer die eine Konstante in meinem Leben, ich bin ihnen und sie mir treu geblieben.

 

 

Ende gut….Abschlussbericht

 

lang, lang ist´s her….eine Menge ist geschehen und meine Sorgen haben ein Ende gefunden – mit der passenden Reitbeteiligung.Der erste Versuch mit der Bekannten ging schief: sie kam mit der Stute nicht gut zurecht, hatte immer etwas an ihr oder ihrem Verhalten auszusetzen. Außerdem machte sie als Reiterin einen eher unsicheren Eindruck. Das sagte ich ihr auch und sie reagierte darauf ziemlich eingeschnappt, aber sie wollte auch von sich aus nicht mehr kommen – die Leute am Hof seien zu unfreundlich und würden sie nicht grüßen. Das mag ja stimmen, aber mich stört das nicht. Ich hatte auch eher das Gefühl, dass es dieser Person mehr um den Kontakt zu den Menschen als zum Pferd geht, es passte jedenfalls nicht.

Dann meldete sich auf meine Anzeige eine junge Frau, die allerdings nur ein Pferd betreuen wollte und nicht zwei. Das gefiel mir zunächst nicht, aber dann dachte ich: einen Versuch ist es wert und so trafen wir uns am Stall. Obwohl sie beim ersten Mal etwas zu energisch mit dem Spanier umging ( aber das war halt nur Unerfahrenheit), passte die Chemie zwischen ihr und dem Pferd und zu mir auch. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick mit dem spanischen Charmeur.Ab dann lief es gut. Zunächst gemeinsame Ausritte, ich mit der Stute, sie auf dem Spanier. Der war plötzlich wie ausgewechselt und ganz zahm.

Allerdings gab es am Anfang einige Missgeschicke, so schlug er ihr beim Hufesäubern einmal die Brille herunter und ein blaues Auge. Aber das tat der Liebe keinen Abbruch. Nach einigen wenigen Besuchen stieg sie schon mutig auf ihn und ritt ein Stück alleine die Straße hinauf, ohne Probleme.

Diese Frau ist Gold wert! Sie hilft mir auch bei dem Drumherum im Stall und wenn ich nicht kann, dann kommt sie und füttert die Pferde. Den Winter haben wir bis jetzt gut überstanden, auch ohne viel zu reiten. Einmal hat der Spanier sich rüpelig verhalten und wollte nicht laufen und fing an zu buckeln und sprang ins Feld. Das hat sie wenig beeindruckt, sie hat überhaupt keine Angst.

Ich habe dann die Physiotherapeutin kommen lassen und es gab da einiges zu lösen bei ihm. Wir hoffen, dass es jetzt vorbei ist mit den Rückenschmerzen und wir im Frühjahr mit dem Training anfangen können.

Die beiden Pferde verstehen sich prima, seitdem immer genug zu Fressen da ist. Sie bekommen jetzt zwar nur Heulage, aber davon sehr reichlich und das hat die Beziehung verbessert, es gibt keinen Streit mehr. Der Spanier hängt auch nicht mehr so an der Stute, er plustert sich zwar noch auf, wenn er alleine irgendwo hin soll oder sie geht von ihm weg, aber das ist nur noch Show und sehr kurz, dann beruhigt er sich wieder.

Der Stute geht es für ihre Verhältnisse sehr gut, sie hat keine Schmerzen, seitdem sie Teufelskralle und Ingwer bekommt und sie geht noch sehr flott ins Gelände und wirkt auch so sehr fit. Sie hat sogar etwas zugelegt, denn sie bekommt nun jeden Tag einen Brei aus Maiscobs und Rübenschnitzeln ( Speedibeet).

Inzwischen habe ich mich auch damit arrangiert, dass meine Pferde von der Herde getrennt stehen….das hat gewisse Vorteile: die Verletzungsgefahr ist verringert und für die alte Stute ist es besser, wenn nicht so ein notgeiler Jungspund versucht sie zu bespringen ( es gibt nämlich einen „deckenden“ Wallach in der großen Herde).

So hat alles doch ein gutes Ende gefunden…. und dieses Blog vorerst auch.

Macht´s gut, wer auch immer das noch lesen sollte…

gerty,

Reitbeteiligung – Segen oder Fluch

Heute treffe ich mich mit der alten Bekannten, die sich als einzige auf mein Gesuch nach einer Reit-und Pflegebeteiligung gemeldet hat. Es gibt inzwischen über 900 Besucher auf der Anzeigenseite und 13 auf der Merkliste, aber geschrieben oder angerufen hat nur die eine.

Das mit den Reitbeteiligungen ist so eine Sache. Fast jede/r der/die reitet, hat damit Erfahrungen, sei es als Nehmer oder als Geber. Ich selbst habe ja damals vor knapp 30 Jahren mein Pferdeleben mit einer Reitbeteiligung auf Sabrina begonnen. Das war auch gut als Vorlauf zum Pferdebesitz. Ich konnte meine Erfahrungen im Umgang mit einem Pferd machen und hatte noch genug Ansprechpartner bei Fragen. Schließlich mündete meine Reitbeteiligung im Kauf des Pferdes. Das ist schon das erste Dilemma mit den Reitbeteiligungen. Wenn sie gut sind, dann wollen sie auf Dauer doch ein eigenes Pferd. Sie wollen sich halt nicht immer mit den Besitzern absprechen müssen, was sie mit dem Pflegepferd machen sollen oder dürfen.

Die Guten habe ich dann immer an Eigenbesitz verloren….oder es mangelte an Zeit. Zum Beispiel Mütter von Klein- und Grundschulkindern, deren Mann auch noch auf pünktlich auf den Tisch gestellte Mahlzeiten besteht….der Anwesenheit des Hausweibchens wünscht, um sich nach der harten Arbeit zum Familienunterhalt doch oprimal bedienen zu lassen. So habe ich es jedenfalls bei dem Typ „Mutter mit kleinen Kindern“ erlebt.

Ich selbst bin/war allein stehend mit Kind, nur meine Eltern haben mir seinerzeit bei der Betreuung geholfen. Am Wochenende war das Kind meistens dort und ich hatte Zeit für die Pferde. In der Woche richtete sich der Tagesplan ganz nach dem Kind, aber ich hatte nicht noch einen Ehemann zu berücksichtigen. Das war eindeutig ein Vorteil.

Als mein Sohn noch nicht in der Schule war, hatte ich eine tolle Frau als Reitbeteiligung. Sie war auch der Typ Hausfrau und Mutter, aber sie schaffte sich genug Freiräume um bei der Ausbildung meiner Stute zu helfen. Ich weiß nicht, wieviele Jahre es waren, aber es waren etliche. Zahlen brauchte sie nichts – außer einen Beitrag für die Hufpflege. Sie nahm mit Stute Reitstunden bei ein CP-Trainerin in der Reithalle des Vereins und konnte je nach Belieben auch ausreiten. Sie ist sogar mal einen Orientierungsritt mit der Stute geritten.

Das war alles sehr schön und ich bin ihr auch dankbar, dennoch gab es auch verschiedene Ansichten und Diskussionen über das Reiten. Ich fand sie manchmal zu ehrgeizig mit der Stute, die ja noch viel lernen musste damals. Es hat dem Pferd nicht geschadet, trotz allem war es eine gute Zeit. Leider kam unverhofft eine Änderung – so wie es im Leben eben immer geht, nichts ist für die Ewigkeit. Sie orientierte sich mehr und mehr im Hundesport fand dort einen neuen Partner, trennte sich von ihrem Mann und gab das Reiten ganz auf.

Da stand ich nun mal wieder alleine da….später kam sie noch einmal zu Besuch und erzählte, dass sie wieder mit ihrem Exmann zusammen sei und ihn nochmal geheiratet habe, aber dass sie nicht mehr reiten wollte….das habe ich nicht verstanden, musste es allerdings auch so akzeptieren. Danach wollte ich keine Reitbeteiligung mehr. Es ging ja auch besser mit der Zeit, mein Sohn kam in die Pubertät und entwickelte mehr und mehr ein Eigenleben, das schaffte mir mehr Raum für die Pferde.

Aber in der Zeit, als ich gerade Mutter geworden war, brauchte ich noch mehr Unterstützung bei den Pferden und hatte etliche Reiterinnen – die alle nacheinander dann eigene Pferde anschafften und mir somit wieder verloren gingen.

Es ging damals hauptsächlich und den etwas schwierigen, weil sehr sensiblen Araber Halan. Dafür hatte ich sogar mal einen Westernreiter, aber der ging mir einfach zu grob mit dem Pferd um. Das war gar nichts für den Wallach. Einmal fuhr dieser Mann sogar zu einem Westernturnier mit Halan, danach ließ der sich kaum noch verladen….aber ich muss sagen, Anfang der 90ger hatte ich auch noch Wettbewerbsambitionen, allerdings ging ich nur auf Freizeitreiterturniere des hauseigenen Vereins und mal auf einen Orientierungsritt im Nachbarverein. Für Halan war das nur Stress und ich bin einfach nicht ehrgeizig genug….

Nun mal zurück zu den Fremdreitern: wie gesagt, die besseren haben dann eigene Pferde angeschafft. Eine der ersten Reiterinnen hat jetzt eine Alpakazucht und die Pferde wohl ganz aufgegeben, die eigenen Pferde verkauft….was ich nicht verstehen kann, denn wenn ich nicht mehr reiten würde, würde ich die Pferde trotzdem behalten, sie sind meine Familie….\r\nEine andere Mitreiterin steht immer noch mit mir im gleichen Stall und hat selbst jetzt 2 Pferde, davon einen fast 30 jährigen Rentner, der mir damals die Show gestohlen hatte.

Die übrigen fielen weniger ins Gewicht. Ich erinnere mich nur noch an die eine, die dem Araber die Mähne fies abgeschnitten hatte, ein Unding, denn die Mähne ist ja rassetypisch lang, so wie bei den Iberern auch. Das war´s dann auch mit der Reitbeteiligung.

Letztes Jahr suchte ich ja wieder jemand, der mich auf der Stute auf Ausritten begleiten würde. Da meldeten sich ungefähr 10 Leute und kamen auch zum Probereiten, eine davon blieb ein paar Wochen. Dann bekam sie ein Pferd geschenkt und war auch wieder weg. Die gehörte eindeutig zu den Guten!

Die andere blieb auch eine Weile, aber sie war wieder im Kinderstress und hatte nie Zeit. Gute Vorsätze, aber kein Umsatz. Letztens bekam ich eine SMS von ihr, dass sie ihre Sachen aus dem Stall abgeholt hatte. Das war´s dann auch mal wieder….kein persönliches Wort vorher und auch keine Info, dass sie die Sachen abholen wollte. Kein Abschied, aber so ist das wohl heute in der allgemeinen Unverbindlichkeit.\r\n\r\nEin hindernder Faktor ist sicher auch meine „exotische“ Reitweise. Fast alle lernen nach FN-Regeln reiten und das passt nun mal nicht auf meine Pferde. Penquitt kennt kaum einer und EWU-Westernreiter sind auch nicht ganz das, was mir gefällt. Allerdings noch besser als FN. Ich sage bewusst nicht „Englisch“ oder „Western“-Reiten. Ich habe schon ein Faible für die klassische Dressur und schonendes, am Westernstil orientiertes Reiten. Aber mir passt der Dogmatismus dabei nicht, den die Leute einfach auch mitübernehmen. Ich entwickle mir aus allen Reitweisen lieber meinen eigenen Stil und Bahnreiterei liegt mir einfach nicht.

Eine der Probereiterinnen vom letzten Jahr meinte, meine Stute sei „widersetzlich“. Das kann nicht sein, nur, wenn Stute meint, der Reiter oben hat keine Ahnung, dann macht sie, was se denkt, was richtig ist. Sie hat für ein Pferd einen ziemlich hohen IQ und sehr viel Gefühl und Intuition, soweit man das als Mensch beurteilen kann.

Ich antwortete: „Die ist nicht widersetzlich, du drückst dich nur nicht klar aus!“ und diese besagte Person bekam Unterricht von einem professionellen Westerntrainer….(!) Hatte aber nicht viel Ahnung von der Kommunikation mit Pferden, wie es schien. Stute ist immer kooperativ, aber wenn Reiter sich undeutlich ausdrückt, was soll sie machen?

Andere Leute machen auch nicht so gute Erfahrungen mit den Reitbeteiligungen, hauptsächlich geht es immer darum, dass diese plötzlich verschwinden aus mehr oder weniger undurchsichtigen Gründen.

Einmal ist der Freund schuld, dann ging das Pferd eine Weile lahm, oder Schule, Beruf. Studium…..aber all das kann man sich überlegen, bevor man sich ein Pferd sucht. Als Besitzer muss ich das auch organisiert kriegen, auch wenn das Pferd mal lahm geht oder meine Zeit knapp wird.

Wie schon angedeutet: in Zeiten des Internets geht alles mehr oder weniger in Richtung Unverbindlichkeit. Verantwortung zu übernehmen, ist nicht mehr hip.

Na ja, wir werden sehen, wie es mit der alten Bekannten heute geht, schließlich habe ich damals, als sie schwanger war vor 20 Jahren, ihren Haflinger geritten und das war ein tolles Pferd.

Warten wir es ab!‘

Olympia (Beitrag vom 13.08.2016)

 

Ich interessiere mich überhaupt nicht für Sportveranstaltungen, ich schaue auch keinen Reitsport im Fernsehen an, aber nun ist mal Olympia und die deutschen Reiter haben in der Vielseitigkeit Medaillien gewonnen und heute las ich, dass ein Dressurpferd von dort aus sogar twittert….Meine Welt ist das nicht!\

Kürzlich war auf dem Gelände des Reitvereins in unmittelbarer Nähe zu meinem Stall ein großes Turnier. Ich besuche das nur, weil der Eismann dort himmlische Eisbecher verkauft und ich hin und wieder alte Bekannte von früher aus meinen Reitvereinzeiten treffe. Diesmal sah ich mir auch eine Dressurvorführung an, Klasse L glaube ich. Seltsamerweise kam ich immer zu fast der gleichen Benotung wie die Richter, manche Pferde lieferten trotz (!) Reiterin eine gute Show ab, aber insgesamt taten mir die Pferde Leid. Auf dem Abreiteplatz wurden sie schon getriezt und getrieben, die Köpfe nach unten gezwängt, der Blick hektisch oder ergeben, kein schöner Anblick. Kein Pferd wurde gequält, soviel steht fest, die Reiter und – innen ritten nach FN-Vorschrift, aber…. ich denke, wenn ich da Pferd gewesen wäre, ich hätte die Hufe geschwungen und wäre einfach….abgehauen! Pferde sind schon geduldige Tiere. Sie bringen ergeben  die Leistung, die mensch von ihnen verlangt, manchmal denke ich, jede Nutzung eines Pferdes ist Missbrauch…das natürliche Umfeld des Fluchttiers Pferd ist die Steppe. Es braucht keinen Stall, kein Fliegenspray und auch keine Decke, keinen ausgeklügelten Trainingsplan und als Futter nur Gras. Aber das gibt es vielleicht noch in den Rocky Mountains und in romantischen Filmen, aber nicht in Deutschland.

Ich ziehe den Pferden im Offenstall im Winter auch Regendecken an, sie tragen im Sommer bei Hitze manchmal Fliegenmasken und bekommen Mineralfutter zusätzlich zum Heu, aber…Ich lehne den Leistungssport mit Tieren grundsätzlich ab. Früher hab ich auch mal spaßeshalber an kleinen Freizeitreiterturnieren teilgenommen, aber meinen Pferden hat das keinen Spaß gemacht, es bedeutete nur Stress. Der Ehrgeiz der Menschen ist das Leiden der Tiere.

Diese Hochleistungssportler, da in Brasilien, diese Millionen-Dollar-Pferde, sehen nie eine Wiese, verbringen ihr Leben eingedeckt in engen Boxen, eine Paddockbox ist da wie die Präsidentensuite, werden quer durch die ganze Welt transportiert. Ein Pferd gehört auf eine grüne Wiese und nicht in eine Transportbox im Flugzeug.

Ich reite eher selten und werde immer gefragt, wie meine Pferde bewegt werden. Ich sage, die bewegen sich den ganzen Tag, die sind 24 Stunden an der frischen Luft und wenn ich reite, dann nur ins Grüne hinaus.

Ich finde, jegliche Art von Turniersport ist überflüssig und die Pferde würden – wenn sie könnten – gerne darauf verzichten, da der Sport nur dem Ehrgeiz der Menschen dient und manche Trainingsmethoden grenzen schon an Tierquälerei. Das ist meine Meinung.

Ein neuer Sattel

Doro spanisch1
Ich habe mir über ebay-Kleinanzeigen nun einen spanischen Hirtensattel – auch Vaquerosattel genannt – gebraucht gekauft. Nach längerem Überlegen, ob ich den überhaupt nutzen würde. Aber dann bin ich einfach nach Bochum gefahren und habe ihn abgeholt. Die Verkäuferin sagte mir, ich könne ihn auch zurück geben, falls er nicht passt. Aber er scheint dem spanischen Wildpferd gut zu passen, wie man auf dem Bild erkennen kann. Die Verschnallung des Sattelgurts und der Bügel in der typischen Kastenform – auch Kohlekästen genannt – ist genauso gewöhnungsbedürftig wie der Schweifriemen. Letzterer hat mich nur genervt, zuviel Aufwand beim Aufsatteln und zuviel Leder am Pferd, ich habe ihn – auf Kosten der Tradition – erst einmal entfernt.  Der Sattel an sich ist sehr bequem, die Sitzfläche ganz aus Fell, wahrscheinlich Kunstfell, aber das ist mir Recht, denn auf einem toten Schaf zu sitzen, fände ich ethisch bedenklich, obwohl ich theoretisch und praktisch ja auf einer Rinderhaut sitze….aber darüber mache ich mir jetzt lieber nicht zu viele Gedanken.

Ich habe den Sattel auf meiner Stute probegeritten und fand ihn sehr schön zu sitzen. Stute war auch einverstanden, aber sie hat einen etwas längeren Rücken und auf ihr sitzt der Sattel nicht so gut. Doro habe ich erst einmal nur damit geführt, ausgerechnet auf dem kurzen Gang gerieten wir in einen Fünf-Minuten-Regenschauer. Doro mag keinen Regen und so zappelte er an der Führleine herum und ein Bügel auf der rechten Seite störte ihn und er wollte ihn weg beißen….jetzt sind auch ein paar Wasserflecken auf der hinteren Lehne. Aber es ist ja ein Gebrauchssattel… nur regnet es in Spanien nicht so oft wie hier. Der ist nur etwas für spanisches Wetter, ansonsten nehme ich auch gerne noch den bewährten Circle Y Westernsattel. Dieser ist zwar an die 20 Jahre alt, aber noch fast wie neu, von einigen Kratzern mal abgesehen und er passt Doro so gut wie keinem anderen Pferd zuvor. Einziger Nachteil ist sein Gewicht von 13 kg, der spanische Sattel ist deutlich leichter, vielleicht nur 8kg, ich habe ihn nicht gewogen.

Nachteil des spanischen Sattels: die Schnalle des Sattelgurts ist aus Metall und liegt auf dem Pferd auf, da muss ich mir noch was einfallen lassen. Die Gurtung wird ganz über den Sattel und den Pferderücken geführt, da kann man nichts anderes nehmen als den original spanischen Gurt. Aber dafür wird sich noch eine Lösung finden.

Ich muss jetzt erst nochmal den Mut finden, das spanische Pferd mit dem spanischen Sattel zu REITEN. Bisher habe ich mich noch nicht getraut. Ich brauche da Unterstützung einer zweiten Person, die mir Sicherheit gibt, mal nebenher läuft oder mit ausreitet. Darum habe ich ja auch die Kleinanzeige wegen der Reitbeteiligung aufgegeben.

Bei über 800 Besuchern und bisher 13 „gemerkt“, hat sich nur eine alte Bekannte, deren Pferd ich vor 18 Jahren mal geritten hatte und die auch Einstellerin in meinem jetzigen Stall war, gemeldet. Ob die nun die passende Person sein wir, kann ich nicht sagen, wir werden uns am Samstag mal treffen und dann sehen wir ja, ob es passt.

Ich habe übrigens für die Stute jetzt auch eine gebisslose Zäumung angeschafft, ein sogenanntes Flower-oder LG Zaum. Damit läuft sie – wie nicht anders erwartet – auch sehr schön, aber ich glaube, die könnte man auch ganz ohne Zäumung reiten, die läuft ja fast telepathisch.

Ein neuer Anfang

DoroBarock1Nach einem wunderschönen Urlaub auf La Gomera, natürlich ohne Pferde, fiel es mir die letzte Woche schwer mich wieder an die alltäglichen Abläufe zu gewöhnen. Darum habe ich nicht viel mit den Pferden gemacht, aber ich war täglich dort und habe ihnen einfach nur beim Fressen und Fliegen verscheuchen zugesehen.

Es war auch anfangs viel zu heiß um mit den Tieren zu arbeiten.

Man kennt es ja von Katzen, die beleidigt reagieren, wenn der oder die Besitzer ein paar Tage fort waren. Genauso beleidigt war mein stolzer Spanier. Irgendwie hat er es als Majestätsbeleidigung aufgefasst, dass ich eine Woche nicht zum Füttern und Putzen kam.

Während Stute sofort auf mich zukam, bei meinem ersten Besuch nach dem Urlaub, ließ Seine Majestät sich erst lange bitten und lief nur im Kreis um Stute und mich herum, scheuchte dabei Stute etwas und spielte dann mit mir das Spiel „Wer ist hier der Boss?“ Heißt: ließ sich auch im Paddock nicht einfangen und aufhalftern.

Erst nachdem ich klar gemacht hatte, WER der Boss ist – nämlich ICH – ging alles wie von selbst.

Ich musste König Pferd einige Male durch das Paddock scheuchen mit mehreren Richtungswechseln, bis er dann von alleine stehen blieb und sich das Halfter anlegen ließ. Seitdem ist er aber wie ein Lämmchen.

Ich habe mir über ebay Kleinanzeigen eine gebrauchte Barock-Hackamore bestellt und es gestern bekommen und gleich ausprobiert. Doro hat immer sehr unwillig auf etwas im Maul reagiert, also dachte ich, versuche ich es doch mal ohne Gebiss. Ich kann ihn über die Nase sehr gut kontrollieren, klappt beim Longieren, an der Hand und auch als Handpferd. Mit Knotenhalfter. Er springt immer nur so weit weg, bis er Zug auf die Nase bekommt. Dann bleibt er stehen. Dumm ist er ja nicht. Er hat den Druck auf die Nase als Grenze akzeptiert.

Beim Einfangen brauche ich auch nur noch die Hand auf seinen Nasenrücken legen und schon steht er still zum Halftern. Das erleichtert die Arbeit mit ihm ungemein.

Gestern habe ich also die Hackamore ausprobiert, sie passt und dann bin ich ganz mutig geworden und noch dazu den Sattel aufgelegt. Habe ein neues Pad benutzt, das mir meine ehemalige Reitbeteiligung wohl hinterlassen hat ( auf selbige und andere ähnliche Fälle komme ich auch noch mal später zu sprechen, ist ein eher unerfreuliches Thema…) Ja und dann war ich doch tatsächlich so mutig und bin aufgestiegen!!

Doro war so überrascht, dass er erst ziemlich verwirrt war und nicht wusste, wohin er laufen sollte. Aber er lässt sich mit der Hackamore gut lenken. Ich bin dann ein paar Schritte die Hofeinfahrt rauf geritten in Richtung Reitplatz ( der leider in einem völlig desolaten Zustand und nicht benutzbar ist) und einige Runden auf dem Rasen davor. Hat alles super geklappt. Manchmal war ich wohl zu energisch mit den Zügeln und Doro wackelte ein bisschen mit dem Kopf, aber er war sehr brav, dafür, dass er 3 Monate nicht mehr geritten wurde.

Nachdem ich am Freitag in Arte einen Beitrag über Kartäuserpferde in Andalusien gesehen habe, trage ich mich nun mit dem Gedanken, einen Vaquerosattel für Doro anzuschaffen. Aber ich bin mir unsicher, ob der ihm passen würde mit dem kurzen, geschwungenen Rücken und dem hohen Widerrrist.

Übrigens eine tolle Doku, wobei mir etwas fehlte,nämlich die Kritik an den oft rüden Ausbildungsmethoden der Spanier mit der Eisen-Serreta und den scharfen Kandaren. Es wurde mir dort doch zu sehr idealisiert. Aber an sich würde ich sagen, dass die Vaquero-Reitweise genau mein Ding ist.

Ich überlege das noch mit dem Sattel, es gibt immer mal wieder Angebote über ebay.

Hier die Doku:

http://www.arte.tv/guide/de/068538-000-A/horse-of-kings-thief-of-hearts

Eine neue Hoffnung

Heute bin ich mit beiden Pferden ein kurzes Stück ausgeritten. Und zwar ganz genau die Strecke, wo mein Spanier beim letzten Reitversuch mich abgesetzt hatte, an eben jenem Rohr vorbei, aber es passierte nichts. Er lief ganz entspannt am Knotenhalfter neben der Stute, die zickte heute auch nicht und trat nicht nach ihm, wie sie es früher schon ab und zu tat.

Trotzdem fühlte ich mich nicht so ganz wohl damit, die Kontrolle über zwei Pferde halten zu müssen. Doch beide Pferde liefen ganz ruhig daher. Der Spanier lässt sich als Handpferd gut führen.  Das tat mal wieder gut und gab mir neuen Mut und auch die Hoffnung, doch einmal mit ihm alleine  ausreiten zu können. Wenn er denn so liefe wie heute…

Mit Hufschuhen läuft er jetzt wieder ganz normal, ich werde auch vorerst die Hufschuhe im Gelände benutzen, denn die Hufsohle ist noch etwas dünn. Man sieht noch die Stelle, wo die Verletzung war, dort ist eine Rille, aber es tut ihm nichts mehr weh.

Gestern habe ich ihn zur Arbeits – Eingliederung quasi einige Runden longiert und er blieb dann in der Ecke ein paar Mal stehen, in der er sich immer furchtbar aufgeregt hatte. Dort nahm er ein paar Grashalme und ging dann ruhig und langsam an der Longe weiter…das fand ich bemerkenswert, denn ich hatte genau das mit ihm geübt: in der furchtbaren, gruseligen Ecke stehen bleiben und nichts tun außer fressen. Es war gestern gerade so, als wenn er mir sagen wollte: “ guck mal, ich hab´s nicht vergessen!“ ist schon ein lustiges Pferd…

 

 

Unfälle und Verletzungen

Lange habe ich nichts mehr geschrieben, nun kommt hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.

Meine Reitversuche mit Macho Doro endeten mit einem Absturz meinerseits. Seitdem bin ich nicht mehr aufgestiegen. Ich suchte Rat und Hilfe bei einem bekannten Ausbilder ( Vierhaus), aber bevor ich etwas unternehmen konnte, geschah ein Unfall, oder so etwas Ähnliches: eines Abends kam ich zum Stall und Doro stand nur noch auf 3 Beinen am Weidetor. Äußerlich war keine Verletzung zu erkennen, aber als dann endlich der Tierarzt kam, stellte sich heraus, dass der Wallach einen Riss in der Hufsohle und daraus resultierend sich eine schlimme Entzündung entwickelt hatte, so dass er auf dem Bein kaum noch stehen, geschweige denn laufen konnte. Er bekam an mehreren Tagen hintereinander Schmerzmittel und Antibiotika gespritzt und einen dicken Hufverband, denn der Tierarzt musste tief in die Hufsohle schneiden. Erstaunlicherweise ließ der sonst so empfindliche Doro alles mit sich machen, ohne zu zucken oder das Bein wegzuziehen. Selbst beim Schneiden in den Huf blieb er ruhig stehen. Da regte sich die Stute im Paddock mehr auf, weil er eben außerhalb des Paddocks war.

Nach 3 Wochen Verband und Tragen eines speziellen Hufschuhs ist jetzt alles wieder in Ordnung. Das Pferd läuft schmerzfrei, obwohl man die Lücke im Huf noch deutlich sehen kann. Zum Glück ist alles gut ausgegangen.

Was mich an der Sache geärgert hatte war, dass der Stallbetreiber nicht schon vor meiner Ankunft am ersten Tag den Tierarzt gerufen hatte, sondern das lahmende Pferd einfach auf der Wiese gelassen, angeblich wäre es morgens noch nicht so schlimm gewesen. Ich weiß es nicht, ich bin eben nicht den ganzen Tag vor Ort.

Aber nun hatte Doro einige Wochen Krankenpause, seit Fronleichnam, Ende Mai. Das mit dem Reiten hat nicht so geklappt, wie ich es mir gewünscht hatte und inzwischen bezweifle ich, ob ich ihn überhaupt reiten soll. Ich fühle mich auf ihm einfach nicht sicher genug. Vom Boden aus geht alles wunderbar, solange man am Ball bleibt. Jetzt in der Krankenphase hatte er anscheinend einiges „vergessen“. Er rempelte mal hin und wieder und neuerdings bleibt er stehen, wenn ich ihn zum Stall führen will. Aber beim Tierarzt war er ganz brav und beim Schmied auch. Was ich am schlimmsten finde ist, dass er so plötzliche Stimmungswechsel hat, in einem Moment ganz cool und gelassen und dann regt er sich furchtbar über Nichtigkeiten auf, zum Beispiel beim Hereinholen von der Weide am Weidetor, das ihm noch nie etwas getan hat.

Ich habe beschlossen, vorerst nur mit ihm spazieren zu gehen, das klappt nämlich hervorragend, ich denke mal, weil ich dabei Sicherheit ausstrahle. Wenn es mit dem Huf wieder ganz gut ist, werde ich vielleicht doch ein paar Reitstunden mit dem Trainer nehmen, nur ich muss dahin eine halbe Stunde reiten und zurück auch, weil ich keinen Hänger habe und das Verladen sicher noch mehr Stress für den sensiblen Wallach bedeuten würde, als das Reiten schon ist. Ich müsste dann die Stute reiten und Doro als Handpferd mitnehmen, das würde gehen.

Warum sich das Reiten des Spaniers für mich zu so einem Problem entwickelt hat, weiß ich nicht. Anfangs bin ich ja noch alleine ins Gelände gegangen, das war auch gar kein Problem. Erst nachdem er da letztes Jahr einmal mir vom Reitplatz aus durchgegangen ist und dazu noch eine Stallkollegin meinte, er wäre kein sicheres Pferd, habe ich meine Ängste entwickelt. Das ärgert mich und belastet mich, aber ich weiß nicht, wie ich das Problem lösen kann. mein Mut reicht einfach nicht aus und das Pferd spürt meine Unsicherheit. Mit einem anderen, sicheren Reiter gäbe es vielleicht gar kein Problem. Denn vom Charakter her ist Doro eine „coole Socke“, wenn auch sensibel. Fahrzeuge und Verkehr machen ihm nichts aus, aber Naturgeräusche wie von auffliegenden Vögeln oder einem Bachrauschen erschrecken ihn furchtbar. Ich kann im Gelände nicht alle Situationen kontrollieren, da verspanne ich mich noch mehr. An der Hand fühlen wir beide, Pferd und ich, uns sicherer, als wenn ich oben sitze.

Bei meinem letzten Reitversuch lief es erst ganz gut, aber nachdem wir dann eine Weile unterwegs waren, wurde Doro ziemlich unruhig und verspannt, das führte dazu, dass er ein Abflussrohr auf der Weide neben uns zum Anlass nahm, einen heftigen Satz zur Seite zu machen, den ich nicht aussitzen konnte, weil ich schon mal wieder Angst hatte, dass er durchgeht. Vor dem unkontrollierten Wegrennen habe ich die meiste Angst, die Seitenhüpfer sind nicht so schlimm, wenn er danach wieder still steht.

Ich weiß auch die Ursache nicht für das plötzliche Erschrecken. Er macht das auch an der Longe, gerne in den Ecken des Reitplatzes. Leider haben wir nicht die richtigen Anlagen, keinen Roundpen und auch keinen vernünftigen Reitplatz, der Boden dort ist viel zu tief und die Einzäunung nicht Vertrauen erweckend.

Ansonsten habe ich alle Probleme soweit in den Griff bekommen. Die Beziehung der Pferde untereinander ist jetzt in der Regel harmonisch, die Stute behauptet ihren Platz und er ist weniger dominant und aggressiv ihr gegenüber. Es gibt jetzt auch an 2 Stellen Heu, so dass die Stute sich  in den Stall zum Fressen zurück ziehen kann.

Das Wetter spielt auch eine Rolle: Regen, Regen, Regen. Das drückt auf die Stimmung des Spaniers, Regen mag er nicht, dann wird er launisch.

Aber die emotionale Grundstimmung konnte ich gut mit Bachblüten beeinflussen und verbessern, Er bekam mehrere Wochen lang die Blüte „Beech“ gegen Frust und Ärger und die Stute bekam „Agrimony“ zur Stärkung des Selbstbewusstseins.

Die Stute kann ich seit dem Besuch der Physiotherapeutin auch wieder normal reiten, allerdings bei dem schlechten Wetter verkrampft sie sich öfter mal, aber es ist nicht mehr so schlimm. Sie trabt und galoppiert wieder, macht einen ausgeglichenen Eindruck und ist beim Reiten wie immer recht flott.

Übrigens stehen beide Pferde zusammen, aber von der Herde getrennt, mal wieder genügte das Veto einer einzigen Person, was ich nicht wirklich verstehe. Es gibt ja keinen Grund für die Trennung von der Herde, die Ängste der betreffenden Person sind völlig unbegründet und es besteht nur ein Anfangsverdacht. Aber diese Person will noch nicht einmal einen Versuch wagen. Das hatte mich so aufgebracht, dass ich schon unterwegs war um mir andere Offenställe anzusehen, aber es war nichts dabei, was meinen Ansprüchen genügt hätte. So bin ich erst einmal geblieben, mit dem Arrangement, dass meine Pferde immer dicht neben der Herde weiden, so dass sie über den Zaun Kontakt haben.

Der Stallbesitzer hat im Moment auch andere Sorgen, seine Frau ist schwer krank, und so will ich ihn nicht mit meinen Beschwerden belästigen. Als die Sache mit der Hufverletzung war, konnte Doro ja auch nicht zu den anderen, jetzt könnte er, aber jetzt fehlt mir die Unterstützung des Stallbetreibers, der einfach mal ein Machtwort sprechen müsste. Das tut er  nicht. Das finde ich nicht fair, aber ich werde die Sache zunächst auf sich beruhen lassen und später, wenn der Zeitpunkt günstiger ist, darauf zurück kommen, es mit der Vergesellschaftung noch einmal zu versuchen.

Das war´s erst einmal für heute. Bis dann!

Spanische Herausforderung, Teil 3

Mir war klar: hier musste dringend was gemacht werden, aber vom Boden aus. Aufgrund der schlechten Hufqualität konnte Macho auch längere Zeit nicht geritten werden, Handpferdereiten fiel ebenfalls aus, da die Stute so ängstlich auf seine Nähe reagierte. Also Bodenarbeit, Führtraining und Longe.

Ich suchte auch eine Mitreiterin, die mich begleitete auf meiner Stute, die zu finden nicht so einfach war, aufgrund der Problemlage, aber Reitbeteiligungen sind so ein Kapitel für sich….dazu komme ich später mal.

Hin und wieder klappte es dann auch mit neuen Hufschuhen und der Stute+Reiterin ins Gelände zu gehen.

Ansonsten fast täglich Führtraining, Longe. Das Longieren hat er gehasst am Anfang, er kannte es wohl nicht. Da wurde gezerrt und gebuckelt und losgerannt. Anfangs ließ ich die Stute mit auf dem Reitplatz laufen oder longierte sie und er lief frei herum. Dann klappte es einigermaßen mit der Konzentration.

Derzeitiger Stand: Longieren geht auch mit Sattel problemlos. Allerdings gab es im Herbst neben dem Reitplatz ein Maisfeld. Bekanntlich – seit dem Film Signs – residieren ja Aliens in Maisfeldern, die gerne Pferde erschrecken. Jedenfalls regte sich Macho in einer Ecke immer auf und sprang dort regelmäßig weg und war kaum zu beruhigen.

Auch das ist vorbei, der Mais ist ja auch geerntet und die Sicht frei. Trotzdem, an manchen Tagen, wenn es etwas stürmischeres Wetter gibt, dann muss der Spanier sich vor allem erschrecken, was vorbei kommt, also Autos und Menschen und andere – ihm inzwischen bekannte – Pferde.

Aber meine Strategie ist dann ganz hilfreich: ich hole ihn an der Longe ganz nah zu mir heran und halte ihn an. Damit er weiß, bei mir ist Sicherheit und dass ich bestimme, wann er sich fürchten muss. Klappt ganz gut, er beruhigt sich schnell wieder.

Im Umgang vom Boden aus hat sich auch einiges getan: er bleibt relativ ruhig an der Anbindestange stehen, er weicht auf Kommando zur Seite beim Putzen und bleibt beim Führen schön hinter mir.

Jetzt geht es seit 2 oder 3 Wochen wieder darum ihn ans Reiten zu gewöhnen.

die spanische Herausforderung, Teil 2

Abgesehen vom Umgang mit der Stute war Macho recht lieb, aber auch ein ziemlicher Flegel und Dickkopf. Wenn ihm etwas nicht passt, zeigt er es deutlich. Kopfschütteln beim Auftrensen, Scheuen vor allem Möglichen, nervöses Gehampel am Strick, Weglaufen…die ganze Palette sozusagen von Ärgernissen.

Nach den beiden Unfällen mit mir und der Einstellerin war für mich oberstes Ziel, ihm den Respekt vor Menschen bei zu bringen.

Meine anderen Pferde waren sehr einfach im Umgang gewesen, hin und wieder hatte es mal kleinere Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber im Grunde war man sich einig zwischen Mensch und Pferd.

Der Spanier war da zunächst mal eine ganz andere Nummer. Der war so auf die Stute fixiert, dass ihn nichts anderes mehr interessierte und bei der Arbeit schaute er nur dahin, wo sie war.

Einmal war ich mit ihm ausgeritten und hatte die Stute als Handpferd dabei. Ich wollte danach noch mit ihm alleine eine Runde auf dem Reitplatz reiten, sozusagen als Anti-Klebetraining, und ließ die Stute am Stall angebunden stehen.

Er ging sehr zögerlich die paar Meter mit mir zum Reitplatz zurück, aber er ging. Dort wendete ich in einer Ecke und dann passierte das, womit ich nicht gerechnet hatte: er raste auf einmal los im Renngalopp in Richtung Stall. Das sind vielleicht 100 Meter, da bekam ich ihn nicht mehr eingefangen und musste also mit, ich war auch viel zu geschockt um zu reagieren.

Bei der Stute angekommen, blieb er brav stehen, als wenn nichts gewesen wäre. Ich war ja auch oben geblieben, da er nur galoppiert war und nicht gebuckelt hatte.

Ich regte mich erst einmal nicht auf, dreht ihn noch mal in Richtung Reitplatz, lenkte ihn bis zur Aufsteighilfe und stieg dann ab.

Aber ab da ritt ich ihn nicht mehr alleine, sondern nur in Begleitung der Stute, aber auch nur dann, wenn sie geritten wurde.

Es passierte auch noch einige Male, dass er sich als Handpferd erschrak und einmal riss er sich sogar los, blieb aber nach wenigen Metern im Feld einfach stehen und ließ sich wieder mitnehmen.

Vor diesen Ereignissen war mir schon einmal ein Malheur mit ihm passiert:
er hatte auf der Straße kurz hinter dem Stall einen Hufschuh verloren, ich stieg also von ihm ab und hob den Schuh auf, dabei hielt ich den Zügel nicht richtig fest. Das nutzte er aus und floh in Richtung Stall – die Stute angebunden am Sattelhorn musste mit. Mir passierte nichts, aber es war mir peinlich zu Fuß zurück gehen zu müssen.

spanische Herausforderung, Teil 1: Migrationshintergrund

Gestern habe ich wieder eine Folge der „Pferdeprofis“ auf VOX angesehen. Man mag dazu stehen, wie man will und es gibt auch viele kritische Stimmen, aber ich habe dort schon wertvolle Tipps im Umgang mit meinem Spanier erhalten und mir das eine oder andere abgeschaut. Vor allem der Umgang mit Respekt und Dominanz.

Bis vor etwa einem Jahr habe ich mich nicht besonders für Trainingsmethoden interessiert, die Ausbildung meiner Pferde erschien mir ausreichend und abgeschlossen. Stute machte keine Probleme, das Einfangen klappt nun und der alte Araber war froh, wenn man keinen Stress machte mit ihm. Von ihm wurde auch nichts mehr erwartet oder verlangt.

Aber dann trat der spanische Macho in mein Leben…

Zunächst erschien alles in bester Ordnung. Gut, ich hatte auf einen Proberitt verzichtet, wegen des anhaltend schlechten Wetters und auch, weil kein Reitplatz vorhanden war. Und auf einem fremden Pferd gleich los an der Straße zu reiten, erschien mir zu riskant.

Am 2. Weihnachtstag 2014 wurde Macho mir gebracht ( er heißt eigentlich Doro, aber das ist ja ein Frauenname, jedenfalls steht es so im Pass). Im Hänger schon rumpelte es und er sprang quasi von der Rampe. Der Hänger hatte einen komfortablen Vorderausstieg.

So, das Pferd war draußen, auf dem Hof war Feiertagsbetrieb, also viel los. Macho wurde zunächst mal neben meiner Stute angebunden, danach haben wir Stute und Wallach auf dem Reitplatz frei laufen lassen. Es schien, dass sie sich auf Anhieb verstanden.

Die Vorbesitzerin fuhr dann mit dem Hänger wieder weg und ich beobachtete noch einige Stunden lang mein neues Pferd, das sich eigentlich unauffällig benahm, wenn man einmal von der natürlichen Aufregung durch den Orts- und Stallwechsel absah.

Die Stute war damals noch sehr eigen mit ihrem Auslauf, also das war sozusagen ihre Intimzone, zu der nur nahe Freunde und Familienmitglieder Zutritt hatten.

Zunächst einmal war sie sehr ungehalten über den Neuen, in ihren Augen wohl ein unverschämter Eindringling in ihre Wohlfühlzone….aber er machte ihr sehr schnell klar, dass er sich durchaus wehren konnte und sich nichts gefallen ließ.

Am nächsten Morgen durfte er sogar schon in den Stall.

Erst einmal gingen meine Pferde zusammen auf eine große Weide, eine Ausnahme, da sonst die Weideflächen im Winter gesperrt sind. Alles kein Problem, sogar der alte kranke Araber wurde noch einmal fit und versuchte den Neuen wegzubeißen, aus seiner Box im Offenstall heraus, in die wir ihn nachts sperrten, damit er sein Futter fressen konnte und seine Ruhe hatte.

Leider musste er eine Woche nach Machos Ankunft schon eingeschläfert werden, es ging einfach nicht mehr.

Eigentlich hatte ich den Tierarzt bestellt um die Ankaufsuntersuchung des Spaniers nachzuholen, es kam dann aber ganz anders, der Tierarzt musste den alten Araber einschläfern, weil der sich auf der Weide hinlegte und nicht mehr aufstehen konnte.

Erst mehrere Monate später habe ich dann die Untersuchung durchführen lassen, offensichtlich war der spanische Macho gesund, bis auf die Haken auf den Zähnen, die entfernt wurden und den desolaten Zustand seiner Hufe. Die machen auch heute noch Probleme, so dass ich ohne Hufschuhe praktisch nicht vom Hof gehen kann, aber dazu dann später.

Als das Wetter es zuließ, wollte ich dann auch den Proberitt nachholen. Beim ersten Mal satteln war Macho sehr aufgeregt, so dass ich ihn nur bis zur Reithalle führte ( ca. 800 m) und wieder zurück. Es war mal wieder Wochenende und dementsprechend viel los auf dem Hof. Das Gewusel und die Unruhe kann er nicht gut vertragen.

Er wollte auch erst nicht angebunden sein, hoppelte am Strick hin und her und scharrte mit den Hufen. Nur, wenn die Stute neben ihm stand, war er ruhig.

Ich musste dieses Pferd erst einmal kennen lernen und es mich auch.

Bei der Vorbesitzerin war es nur wenige Monate, sie hatte es von jemand aus der Eifel (oder so, hab nicht genau gefragt, woher) geholt, ein Importeur, der Pferde aus Frankreich holt. In Frankreich war Doro laut Pass 4 Jahre, davor in Nordspanien, in der Nähe von Burgos.

Leider kann ich nicht genug französisch, um den früheren Besitzer einmal zu kontaktieren. Seine Adresse steht im Pass, auch die Namen und Adressen der spanischen Vorbesitzer.

Ich hätte zu gern einmal erfahren, wie es dem Macho dort ergangen ist, wann er z.B. kastriert und eingeritten wurde und wie er früher geritten wurde.

Man muss ihn gut behandelt haben, denn er hat ein Grundvertrauen zu Menschen, nur in manchen Situationen gehen ihm die Nerven durch.

Erst klammerte er sich förmlich an die Stute. Es war kaum möglich, ohne sie mit ihm zu arbeiten. Das führte dazu, dass ich entweder ihn oder sie als Handpferd mitführen musste. Auf Dauer keine Lösung, da ich noch nicht so sicher beim Reiten mit ihm war und bin, dass ich meine Aufmerksakeit noch mit einem anderen Pferd teilen kann.

Teils benahm er sich in Gegenwart anderer Pferde recht hengstig, er piaffierte und plusterte sich auf, auch, wenn die anderen ihn ignorierten. Mir kam das aber immer weniger vor als Dominanzgehabe, denn als Abwehrmechanismus. Er schien Angst vor anderen Pferden – außer meiner Stute – zu haben.

Beim Reiten begegneten wir auch anderen Pferden, die ließen ihn kalt. Nur auf dem Hof spielte er sich auf wie ein Diktator, wenn ein anderes Pferd meiner/seiner Stute näher kam.

Die ersten Ritte – um das vorweg zu nehmen – verliefen völlig unproblematisch, Macho kam sehr gut mit meiner Hilfengebung, die sich am Westernstil orientiert, zurecht.

Schwieriger war der Umgang mit anderen Pferden.

Am 13. Februar versuchte ich zum ersten Mal die Stute von ihm zu trennen, was in einem Desaster für mich endete: Macho rannte mich einfach um und trat mir dabei noch aufs Bein: offene Wunde, Blutergüsse….

Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und ritt ihn trotz der Verletzung noch eineinhalb Stunden ins Gelände. Beim Losreiten rannte er mit mir noch gegen einen Pfahl, was das andere Knie in Mitleidenschaft zog.

Die Schwere der Verletzung erkannte ich erst ein paar Tage später, ich war einige Woche arbeitsunfähig – und konnte auch mit dem Macho nicht arbeiten.

Das nahm ich ihm nicht übel, denn ich hatte ihn falsch eingeschätzt und mich vor ihn gestellt, an einer Engstelle, wo er nicht ausweichen konnte. Da ist er einfach nach vorne gesprungen.

Aber 2 Tage danach sollte er in die Herde integriert werden. Mir war das nicht recht, aber der Stallbesitzer wollte es so, er hatte auch alle Einsteller zusammen getrommelt, und es ist bekanntlich schwer, alle Leute an einem Tag unter den Hut zu bekommen.

Ich kam schon mit einem mulmigen Gefühl zu der Aktion an: weil ich wusste, dass der Herdenchef recht dominant war zu neuen Pferden und erstmal nicht nett, sondern eher gewalttätig.

Wir ließen also Macho + Stute zu den anderen auf die Weide und Machon kehrte den Hengst heraus: er trieb die Stute immer von den anderen weg.

Nun meinten die anwesenden Menschen, etwas Bewegung ins Spiel bringen zu müssen und trieben die Pferde aufeinander zu. In seiner Panik rannte Macho eine Einstellerin um, die sich ihm in den Weg stellte. Was natürlich extrem leichtsinnig war. Hinterher stellte sich heraus, dass sie mehrere Rippen gebrochen hatte. Fortan war das eh schon kühle Verhältnis zu ihr und ihrer Mutter, die ebenfalls dort Pferde stehen hat und die Boxenmiete bzahlt, völlig auf dem Nullpunkt und hat sich bis heute nicht gebessert.
(Aber über die Probleme von Pferden und Menschen auf dem Ponyhof wird es einen extra Eintrag geben, irgendwann)

Jedenfalls war meine Reaktion auf den Vorfall, meine Pferde wieder aus der Herde heraus zu holen, mit der Vorgabe, bei Beginn der Weidesaison einen neuen Versuch zu wagen. Daraus ist aber wegen der Weigerung obiger Personen bis heute nichts geworden, weil der Stallbesitzer mehr auf diese hört, als auf mich, aus welchem Grund auch immer, ich verstehe das nicht.

Über diese Leute kann man allerdings schon behaupten, dass sie die gleiche Dominanz zeigen wie ihr Pferd und mit ihnen in der Regel – besonders mit Tochter – nicht gut Kirschen essen ist. Am besten ist, man geht ihnen aus dem Weg.

Egal, also blieb Macho von den anderen getrennt. Zu Beginn der Weidesaison im Mai durfte aber die Stute wieder in die Herde. Er blieb dann tagsüber allein auf einer Weide, teils mit Sichtkontakt, teils ohne. Diese Lösung war nicht die beste, führte aber dazu, dass er nicht mehr so an der Stute klebte und ich auch mit ihm alleine arbeiten konnte.

Schon aber zeichnete sich das nächste Problem am Horizont ab: Er verprügelte die Stute nachts im Stall. Mir ist bis heute nicht klar, warum.

Stute war immer Chefin im Offenstall gewesen, sie vermittelte auch zwischen dem Araber und dem teils recht frechen Pony der Stallbesitzer, das dort bis zu seinem Tod 2013 mit eingestellt war und die Pferde-WG zeigte sich sehr harmonisch.

Nun hatte sie 5 Monate lang das Kommando über den Spanier ausgeübt, sie ist sehr sozial, aber sagt auch, wo es lang geht, eher mit Gesten, denn mit Gewalt.

In jener Nacht im Mai änderte sich das ganz plötzlich. Sie wurde von dem Macho getreten und gejagt, er verhielt sich sehr hengstig ihr gegenüber. Zunächste trennten wir sie nachts durch eine Litze und ließen sie tagsüber zusammen auf der Weide. Noch Wochen hatte Stute Angst vor ihm und ließ ihn nicht in ihre Nähe, sie flüchtete sofort.

Am Ende des Sommers hatte sich die Situation soweit beruhigt, dass wir die Absperrung weglassen konnten. Auch im Hinblick auf den Winter war das nötig, denn es gab sonst für den Spanier keine Unterstellmöglichkeit. So langsam eroberte sie ihre Position zurück und er kuschte wieder – bis kurz vor Weihnachten 2015, als sie anfing stark zu lahmen und sich nicht mehr wehren konnte – da wendete sich das Blatt wieder.

Trotz des Winters mussten wir sie nachts wieder trennen, also nur durch eine Elektrolitze, vor der er Respekt hat – mittlerweile. Anfangs ging er auch durch Litzen, aber dann wurde der Stromstoß verstärkt und seitdem bleibt er von Litzen fern.

Im Moment klappt es wieder mit den beiden, ein neuralgischer Punkt ist die Heuraufe, die in einer Ecke des Paddocks steht ( woanders geht nicht, weil nur dort der Boden befestigt ist mit Steinen). Es gibt dort genug Platz für 2 Pferde, schließlich war der Offenstall für 3 – 4 Pferde gebaut worden. Aber Macho stellt sich breitbeinig hin und Stute hat keine Chance, weil sie ihn nicht angreifen will, sicher auch deshalb nicht, weil sie Probleme mit den Hinterbeinen hat. Andererseits könnte sie ihn auch beißen….aber irgendwie behandelt sie ihn wie ihr Fohlen. Das Hengstige hat er inzwischen abgelegt, aber nun schein er in ihr seine Mutter zu sehen…da blicke ich nicht mehr durch.

Sie darf jetzt neben ihm an der Heuraufe fressen, beide bekommen Bachblüten um die Harmonie zu fördern. Er Beech ( zur Reduzierung der Aggressivität) und sie Agrimony ( Stärkung des Selbstbewusstseins). Er droht ihn manchmal noch, wenn er schlecht gelaunt ist, ansonsten ist es eher eine Zweckgemeinschaft, die Stute erscheint noch immer etwas vorsichtig im Umgang mit ihm, lässt sich aber nicht mehr so einschüchtern, was ein Fortschritt ist.