spanische Herausforderung, Teil 1: Migrationshintergrund

Gestern habe ich wieder eine Folge der „Pferdeprofis“ auf VOX angesehen. Man mag dazu stehen, wie man will und es gibt auch viele kritische Stimmen, aber ich habe dort schon wertvolle Tipps im Umgang mit meinem Spanier erhalten und mir das eine oder andere abgeschaut. Vor allem der Umgang mit Respekt und Dominanz.

Bis vor etwa einem Jahr habe ich mich nicht besonders für Trainingsmethoden interessiert, die Ausbildung meiner Pferde erschien mir ausreichend und abgeschlossen. Stute machte keine Probleme, das Einfangen klappt nun und der alte Araber war froh, wenn man keinen Stress machte mit ihm. Von ihm wurde auch nichts mehr erwartet oder verlangt.

Aber dann trat der spanische Macho in mein Leben…

Zunächst erschien alles in bester Ordnung. Gut, ich hatte auf einen Proberitt verzichtet, wegen des anhaltend schlechten Wetters und auch, weil kein Reitplatz vorhanden war. Und auf einem fremden Pferd gleich los an der Straße zu reiten, erschien mir zu riskant.

Am 2. Weihnachtstag 2014 wurde Macho mir gebracht ( er heißt eigentlich Doro, aber das ist ja ein Frauenname, jedenfalls steht es so im Pass). Im Hänger schon rumpelte es und er sprang quasi von der Rampe. Der Hänger hatte einen komfortablen Vorderausstieg.

So, das Pferd war draußen, auf dem Hof war Feiertagsbetrieb, also viel los. Macho wurde zunächst mal neben meiner Stute angebunden, danach haben wir Stute und Wallach auf dem Reitplatz frei laufen lassen. Es schien, dass sie sich auf Anhieb verstanden.

Die Vorbesitzerin fuhr dann mit dem Hänger wieder weg und ich beobachtete noch einige Stunden lang mein neues Pferd, das sich eigentlich unauffällig benahm, wenn man einmal von der natürlichen Aufregung durch den Orts- und Stallwechsel absah.

Die Stute war damals noch sehr eigen mit ihrem Auslauf, also das war sozusagen ihre Intimzone, zu der nur nahe Freunde und Familienmitglieder Zutritt hatten.

Zunächst einmal war sie sehr ungehalten über den Neuen, in ihren Augen wohl ein unverschämter Eindringling in ihre Wohlfühlzone….aber er machte ihr sehr schnell klar, dass er sich durchaus wehren konnte und sich nichts gefallen ließ.

Am nächsten Morgen durfte er sogar schon in den Stall.

Erst einmal gingen meine Pferde zusammen auf eine große Weide, eine Ausnahme, da sonst die Weideflächen im Winter gesperrt sind. Alles kein Problem, sogar der alte kranke Araber wurde noch einmal fit und versuchte den Neuen wegzubeißen, aus seiner Box im Offenstall heraus, in die wir ihn nachts sperrten, damit er sein Futter fressen konnte und seine Ruhe hatte.

Leider musste er eine Woche nach Machos Ankunft schon eingeschläfert werden, es ging einfach nicht mehr.

Eigentlich hatte ich den Tierarzt bestellt um die Ankaufsuntersuchung des Spaniers nachzuholen, es kam dann aber ganz anders, der Tierarzt musste den alten Araber einschläfern, weil der sich auf der Weide hinlegte und nicht mehr aufstehen konnte.

Erst mehrere Monate später habe ich dann die Untersuchung durchführen lassen, offensichtlich war der spanische Macho gesund, bis auf die Haken auf den Zähnen, die entfernt wurden und den desolaten Zustand seiner Hufe. Die machen auch heute noch Probleme, so dass ich ohne Hufschuhe praktisch nicht vom Hof gehen kann, aber dazu dann später.

Als das Wetter es zuließ, wollte ich dann auch den Proberitt nachholen. Beim ersten Mal satteln war Macho sehr aufgeregt, so dass ich ihn nur bis zur Reithalle führte ( ca. 800 m) und wieder zurück. Es war mal wieder Wochenende und dementsprechend viel los auf dem Hof. Das Gewusel und die Unruhe kann er nicht gut vertragen.

Er wollte auch erst nicht angebunden sein, hoppelte am Strick hin und her und scharrte mit den Hufen. Nur, wenn die Stute neben ihm stand, war er ruhig.

Ich musste dieses Pferd erst einmal kennen lernen und es mich auch.

Bei der Vorbesitzerin war es nur wenige Monate, sie hatte es von jemand aus der Eifel (oder so, hab nicht genau gefragt, woher) geholt, ein Importeur, der Pferde aus Frankreich holt. In Frankreich war Doro laut Pass 4 Jahre, davor in Nordspanien, in der Nähe von Burgos.

Leider kann ich nicht genug französisch, um den früheren Besitzer einmal zu kontaktieren. Seine Adresse steht im Pass, auch die Namen und Adressen der spanischen Vorbesitzer.

Ich hätte zu gern einmal erfahren, wie es dem Macho dort ergangen ist, wann er z.B. kastriert und eingeritten wurde und wie er früher geritten wurde.

Man muss ihn gut behandelt haben, denn er hat ein Grundvertrauen zu Menschen, nur in manchen Situationen gehen ihm die Nerven durch.

Erst klammerte er sich förmlich an die Stute. Es war kaum möglich, ohne sie mit ihm zu arbeiten. Das führte dazu, dass ich entweder ihn oder sie als Handpferd mitführen musste. Auf Dauer keine Lösung, da ich noch nicht so sicher beim Reiten mit ihm war und bin, dass ich meine Aufmerksakeit noch mit einem anderen Pferd teilen kann.

Teils benahm er sich in Gegenwart anderer Pferde recht hengstig, er piaffierte und plusterte sich auf, auch, wenn die anderen ihn ignorierten. Mir kam das aber immer weniger vor als Dominanzgehabe, denn als Abwehrmechanismus. Er schien Angst vor anderen Pferden – außer meiner Stute – zu haben.

Beim Reiten begegneten wir auch anderen Pferden, die ließen ihn kalt. Nur auf dem Hof spielte er sich auf wie ein Diktator, wenn ein anderes Pferd meiner/seiner Stute näher kam.

Die ersten Ritte – um das vorweg zu nehmen – verliefen völlig unproblematisch, Macho kam sehr gut mit meiner Hilfengebung, die sich am Westernstil orientiert, zurecht.

Schwieriger war der Umgang mit anderen Pferden.

Am 13. Februar versuchte ich zum ersten Mal die Stute von ihm zu trennen, was in einem Desaster für mich endete: Macho rannte mich einfach um und trat mir dabei noch aufs Bein: offene Wunde, Blutergüsse….

Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und ritt ihn trotz der Verletzung noch eineinhalb Stunden ins Gelände. Beim Losreiten rannte er mit mir noch gegen einen Pfahl, was das andere Knie in Mitleidenschaft zog.

Die Schwere der Verletzung erkannte ich erst ein paar Tage später, ich war einige Woche arbeitsunfähig – und konnte auch mit dem Macho nicht arbeiten.

Das nahm ich ihm nicht übel, denn ich hatte ihn falsch eingeschätzt und mich vor ihn gestellt, an einer Engstelle, wo er nicht ausweichen konnte. Da ist er einfach nach vorne gesprungen.

Aber 2 Tage danach sollte er in die Herde integriert werden. Mir war das nicht recht, aber der Stallbesitzer wollte es so, er hatte auch alle Einsteller zusammen getrommelt, und es ist bekanntlich schwer, alle Leute an einem Tag unter den Hut zu bekommen.

Ich kam schon mit einem mulmigen Gefühl zu der Aktion an: weil ich wusste, dass der Herdenchef recht dominant war zu neuen Pferden und erstmal nicht nett, sondern eher gewalttätig.

Wir ließen also Macho + Stute zu den anderen auf die Weide und Machon kehrte den Hengst heraus: er trieb die Stute immer von den anderen weg.

Nun meinten die anwesenden Menschen, etwas Bewegung ins Spiel bringen zu müssen und trieben die Pferde aufeinander zu. In seiner Panik rannte Macho eine Einstellerin um, die sich ihm in den Weg stellte. Was natürlich extrem leichtsinnig war. Hinterher stellte sich heraus, dass sie mehrere Rippen gebrochen hatte. Fortan war das eh schon kühle Verhältnis zu ihr und ihrer Mutter, die ebenfalls dort Pferde stehen hat und die Boxenmiete bzahlt, völlig auf dem Nullpunkt und hat sich bis heute nicht gebessert.
(Aber über die Probleme von Pferden und Menschen auf dem Ponyhof wird es einen extra Eintrag geben, irgendwann)

Jedenfalls war meine Reaktion auf den Vorfall, meine Pferde wieder aus der Herde heraus zu holen, mit der Vorgabe, bei Beginn der Weidesaison einen neuen Versuch zu wagen. Daraus ist aber wegen der Weigerung obiger Personen bis heute nichts geworden, weil der Stallbesitzer mehr auf diese hört, als auf mich, aus welchem Grund auch immer, ich verstehe das nicht.

Über diese Leute kann man allerdings schon behaupten, dass sie die gleiche Dominanz zeigen wie ihr Pferd und mit ihnen in der Regel – besonders mit Tochter – nicht gut Kirschen essen ist. Am besten ist, man geht ihnen aus dem Weg.

Egal, also blieb Macho von den anderen getrennt. Zu Beginn der Weidesaison im Mai durfte aber die Stute wieder in die Herde. Er blieb dann tagsüber allein auf einer Weide, teils mit Sichtkontakt, teils ohne. Diese Lösung war nicht die beste, führte aber dazu, dass er nicht mehr so an der Stute klebte und ich auch mit ihm alleine arbeiten konnte.

Schon aber zeichnete sich das nächste Problem am Horizont ab: Er verprügelte die Stute nachts im Stall. Mir ist bis heute nicht klar, warum.

Stute war immer Chefin im Offenstall gewesen, sie vermittelte auch zwischen dem Araber und dem teils recht frechen Pony der Stallbesitzer, das dort bis zu seinem Tod 2013 mit eingestellt war und die Pferde-WG zeigte sich sehr harmonisch.

Nun hatte sie 5 Monate lang das Kommando über den Spanier ausgeübt, sie ist sehr sozial, aber sagt auch, wo es lang geht, eher mit Gesten, denn mit Gewalt.

In jener Nacht im Mai änderte sich das ganz plötzlich. Sie wurde von dem Macho getreten und gejagt, er verhielt sich sehr hengstig ihr gegenüber. Zunächste trennten wir sie nachts durch eine Litze und ließen sie tagsüber zusammen auf der Weide. Noch Wochen hatte Stute Angst vor ihm und ließ ihn nicht in ihre Nähe, sie flüchtete sofort.

Am Ende des Sommers hatte sich die Situation soweit beruhigt, dass wir die Absperrung weglassen konnten. Auch im Hinblick auf den Winter war das nötig, denn es gab sonst für den Spanier keine Unterstellmöglichkeit. So langsam eroberte sie ihre Position zurück und er kuschte wieder – bis kurz vor Weihnachten 2015, als sie anfing stark zu lahmen und sich nicht mehr wehren konnte – da wendete sich das Blatt wieder.

Trotz des Winters mussten wir sie nachts wieder trennen, also nur durch eine Elektrolitze, vor der er Respekt hat – mittlerweile. Anfangs ging er auch durch Litzen, aber dann wurde der Stromstoß verstärkt und seitdem bleibt er von Litzen fern.

Im Moment klappt es wieder mit den beiden, ein neuralgischer Punkt ist die Heuraufe, die in einer Ecke des Paddocks steht ( woanders geht nicht, weil nur dort der Boden befestigt ist mit Steinen). Es gibt dort genug Platz für 2 Pferde, schließlich war der Offenstall für 3 – 4 Pferde gebaut worden. Aber Macho stellt sich breitbeinig hin und Stute hat keine Chance, weil sie ihn nicht angreifen will, sicher auch deshalb nicht, weil sie Probleme mit den Hinterbeinen hat. Andererseits könnte sie ihn auch beißen….aber irgendwie behandelt sie ihn wie ihr Fohlen. Das Hengstige hat er inzwischen abgelegt, aber nun schein er in ihr seine Mutter zu sehen…da blicke ich nicht mehr durch.

Sie darf jetzt neben ihm an der Heuraufe fressen, beide bekommen Bachblüten um die Harmonie zu fördern. Er Beech ( zur Reduzierung der Aggressivität) und sie Agrimony ( Stärkung des Selbstbewusstseins). Er droht ihn manchmal noch, wenn er schlecht gelaunt ist, ansonsten ist es eher eine Zweckgemeinschaft, die Stute erscheint noch immer etwas vorsichtig im Umgang mit ihm, lässt sich aber nicht mehr so einschüchtern, was ein Fortschritt ist.

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