Vom Reitstall zum Offenstall: eine Rückblende

Als ich 1986 einen neuen Stall suchte, war ich noch sehr unerfahren. Meine Anforderungen beliefen sich nur auf: 2 Boxen, möglichst Außenboxen, 1 Reitplatz, 1 Halle und 1 Wald in der Nähe.

In der neuen Stadt kannte ich mich damals schon etwas aus, ich hatte dort einige Jahre vorher eine andere Beziehung gehabt. (Wie bereits erwähnt, verirrte sich tatsächlich der eine oder andere Mann in mein Leben, aber das ist eine ganz andere Geschichte und gehört nicht hierher).

Jedenfalls kannte ich den Mietstall schon aus meiner Vor-Pferdebesitzer-Zeit. Das eine oder andere Mal hatte ich  meinem früheren Freund dort ein Pferd ausgeliehen um durch den nahen Wald zu reiten. Das war der große Vorteil dieses Stalls: er liegt mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet am Rande des Ballungsraums, es gab und gibt dort schöne und gepflegte Reitwege.

Leider komme ich  heute mit den Pferden nicht mehr hin, ich müsste einen Hänger haben und verladen, das ist mir zu viel Aufwand. Dort, wo meine Pferde heute im Offenstall stehen, gibt es nicht so viel Wald in der Nähe, aber dennoch ein weitläufiges Reitgelände.

im Jahr ´86 jedenfalls fragte ich in dem Waldstall nach Stellplätzen und bekam auch für Sabrina und den psychotischen Fjord Platz. Der Stallbetreiber bot uns sogar an uns kostenlos abzuholen, lediglich gegen Erstattung der Benzinkosten. Das Angebot nahmen wir gerne an. Ansonsten wäre der Transport in den 50 km entfernten neuen Stall sehr problematisch gewesen. Das war aber – abgesehen  vom Reitgelände – das einzig Gute an dem Stall.

Ein Jahr blieben wir dort, von Anfang an war im Grunde klar, dass dieser Stall nur eine Durchgangsstation werden konnte. Zu vieles dort lag im Argen und verursachte großes Unbehagen.

Zunächst einmal mussten wir jeden Tag dorthin um die Boxen auszumisten. Dann gab es keine Weide für die Pensionspferde, das bedeutete: die Pferde standen nur in der Box, wenn man sie nicht selbst bewegte. Für uns beide Berufstätigen – und mein Partner hatte auch noch Schichtdienste – eine große Belastung. Trotzdem waren wir erst einmal froh, dort angekommen zu sein.

Doch es war das Umfeld, das uns erheblich störte und ebenfalls zu einer Belastung wurde:: einmal, dass dort jeder, der kam, sich eins der Schulpferde nehmen konnte, die Reitkenntnisse wurden nicht geprüft. Darauf konnte man unbegleitet in den Wald reiten, musste aber auch vielbefahrene Straßen überqueren. Vor einigen Jahren – lange nach meiner Zeit  –  gab es dort auf der Landstraße sogar mal einen tödlichen Unfall mit den Mietpferden und einem Pkw, der ein Menschenleben kostete und 2 Pferden den Tod brachte. Seitdem, habe ich mir sagen lassen, verlangt der Stallbetreiber die Vorlage des Personalausweises. Ansonsten hat sich an der Vermietpraxis nichts geändert. Mich wundert, dass bisher dort nicht das Veterinäramt oder das Ordnungsamt eingeschritten sind. Es bedeutet ja auch eine Gefährdung der Allgemeinheit, denn die Leihpferde sind alle reiterlich verdorben und für ungeübte Reiter fast nicht händelbar. Sie rennen einfach kopflos nach Hause, wenn sie merken, dass der Reiter oder die Reiterin oben keine Ahnung hat. Die bessere Variante ist noch: sie bewegen sich keinen Zentimenter vom Hof vorwärts. Aber dann kommt der “Chef” mit der Peitsche hinterher und dann rennen sie los. Viele, die sich dort ein Pferd leihen, sind sich sicher der Gefahr nicht bewusst und überschätzen ihre reiterlichen Fähigkeiten, wenn überhaupt solche vorhanden sind. Früher habe ich da Leute in kurzer Hose und Sandalen ausreiten sehen!!

( Ich habe gehört, wenn diese Pferde dann aus Mitleid von kompetenten Leuten gekauft wurden, waren aus ihnen  nach einiger Zeit sehr treue zuverlässige Reitpferde geworden, allerdings musste man mit ihnen konsequent umgehen. Sie kennen alle Tricks im Umgang mit Menschen und wenden sie auch an!)

Der Hof bietet auch heute noch Reiterferien für Kinder an. Allerdings nur mit Begleitpersonal. Ich würde mein Kind nicht dorthin schicken…Ich war lange nicht mehr dort, vielleicht hat sich auch einiges geändert, aber es ist immer noch dieselbe Familie, die den Reitstall betreibt. Und man hört eigentlich nichts Gutes von da…

Damals kaufte der Stalleigner auf allen möglichen Pferdemärkten seine Schulpferde ein und der Umgang mit ihnen war nicht der Sanfteste. Er erwarb auch junge Sportpferde  um sie “auszubilden” und dann zu viel höheren Preisen wieder zu verkaufen. Doch ein Pferd, dass durch diese Hände ging, war sicherlich so traumatisiert, dass es sich nicht mehr für den Sport eignete. Es kamen Sporen, Gerte, Longierpeitschen und alle möglichen Hilfszügel kräftig zum Einsatz. Der Wille des Pferdes musste gebrochen werden um jeden Preis. Damals machte sich noch kaum einer Gedanken über die Psyche des Pferdes, die Pferdeflüsterer waren noch still und der Tierschutz noch nicht so weit wie heute. Das Elend war kaum zu ertragen. Heute ist die Kundschaft eher sensibilisiert und man kann sich solch einen Umgang nicht mehr unbedingt erlauben, wenn man  Gewinne machen will mit den Tieren. Da wird von den potenziellen Käufern sicher genauer hingeschaut.

Eines Tages war eine junge schwarze Westfalenstute in der Halle aus lauter Panik beim Freispringen über die Bande gesprungen und dort hängen geblieben mit dem Vorderbein. Sie hatte eine tiefe Schnittwunde am Gelenk. Der Tierarzt empfahl die Nottötung, aber der Besitzer des Reitstalles wollte wohl das Geld nicht verlieren, dass er für die Stute mit guter Abstammung bezahlt hatte und meinte: warten wir mal ab, vielleicht wird es von alleine wieder gut und schlachten kann man sie später noch.

So stand das arme Tier 3 Monate unversorgt in der Box, die nicht gereinigt wurde, nur hin und wieder eingestreut. Die Wunde eiterte, wurde nicht mehr tierärztlich versorgt. Das fand der Besitzer unnötig und es war ihm zu teuer. Das wäre heute mit Sicherheit ein Fall für den Amtsveterinär geworden. Tatsächlich aber heilte die Wunde.

Mein damaliger Partner hatte den Kampf mit dem Fjord inzwischen haushoch verloren und einen neuen Besitzer gesucht und gefunden: Mit jenem fand auch der Fjord seinen Herr und Meister, wie man so schön sagt: Auf jeden Topf passt ein Deckel.

Mein Freund sah also das Elend der Stute und kaufte sie zum Schlachtpreis. Es war ein sehr hübsches Tier, abgesehen von der dicken Narbe am Vorderbein. Es blieb wie durch ein Wunder nur das verdickte Narbengewebe am Karpalgelenk zurück und sie lief später darauf ganz normal.  Wir sorgten auch für die weitere Behandlung, nachdem mein Freund sie übernommen hatte. Sie hatte Papiere, aber noch keinen eingetragenen Namen und mein Freund gab ihr einen indianischen Namen. Sie war noch roh, also nicht geritten, nur halfterführig.

Als sie ganz gesund war, begannen wir sie einzureiten, denn sie war gerade mal 3 Jahre alt. Es war das 1. Pferd, dass ich selbst ausbildete, wahrscheinlich haben wir dabei auch viele Fehler gemacht, aber es war ein sehr geduldiges Tier und man konnte die Stute schließlich reiten. Besser als den Fjord. Sie war nur am Anfang sehr langsam, ging nicht voran und meinen Freund ärgerte es sehr, dass ich mit meinem vollblütigen Renner immer einen halben Kilometer voraus war.

Abgesehen davon litten wir  nicht nur unter dem nicht tiergerechten Umgang des Stallbesitzers, den wir mit zwangsläufig ansehen mussten, sondern auch unter seinem sehr arroganten Umgang mit der Kundschaft und vor allem uns. Wir hatten nun mal keine edlen Warmblutturnierpferde, sondern einen durchgeknallten Norweger und ein aus dem Schulbetrieb ausgemusterte Vollblüterin mit Handicap.

Auf unseren mangelnden Reitküsten sowie den Handicaps der Pferde sah man dort doch sehr von oben herab, nicht nur der Besitzer, sondern auch manche Mitreiter. Aus dem Spott wurde später fast so etwas wie Mobbing.

Als die Situation im Mietstall sich dann immer mehr zuspitzte und das Verhältnis zum Stallbesitzer sich mehr und mehr verschlechterte, es ständig zu Konflikten und Kontroversen kam, musste schnell eine neue Bleibe her.

Ich fand eine durch ein Zeitungsinserat, es war auch nur eine Notlösung: zwar mit Weidegang, aber direkt neben der Autobahn, zwar noch im Wald, aber doch nahe am Verkehr.

Dort blieben wir nur 2 Wochen, Dann stellte ich fest, dass unsere Pferdeüber Nacht kein Futter erhalten hatten und das führte dann zum Wechsel in den jetzigen Stall, wo ich seit 1987 bin und nun seit 10 Jahren einen Offenstall nutzen kann. Hier ist auch nicht immer alles wie im Paradies, es gibt auch Konflikte, denn ich bin nicht mit allem immer einverstanden,aber ich habe noch keine bessere Alternative gefunden und – was für mich die Hauptsache ist – den Pferden geht es gut dort. Mir fällt es auch schwer mich nach so langer Zeit wieder von dort zu lösen, es ist ein Stück Heimat für mich. Ein Zuhause.

Gefunden habe ich den Stall übrigens auch durch ein Zeitungsinserat, in einem der üblichen Wochenanzeigenblättchen. Er liegt 20 km von meinem Wohnort entfernt, aber das stört mich nicht.

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