Sabrina, die Erste

Nach unserer Rückkehr nach Deutschland war mir klar: Reitschule kommt nicht mehr in Frage, ich wollte ein eigenes Pferd.
Erst einmal eine Reitbeteiligung, ich war mir durchaus der Verantwortung und Kosten bewusst, die durch ein eigenes Pferd entstehen.
Damals gab es noch kein Internet, aber eine Tageszeitung. Und dort fand ich ein Inserat, wo jemand eine Reitbeteiligung für sein Pferd suchte. Ich rief dort an und machte einen Termin für den Proberitt aus.
Um es kurz zu machen: das angebotene Pferd (ein Fuchs namens Nobody, das war schon dem Namen nach ein No Go)gefiel mir nicht. Irgendwie bekam ich keinen Draht zu dem schwerfälligen Warmblut-Wallach und war erst enttäuscht.
Doch die geschäftstüchtige Stallbetreiberin bot mir eines ihrer Schulpferde an, ich sollte doch mal in den Stall schauen.
Und da stand sie, ganz hinten in dem hintersten dunklen „Loch“, riesig groß und schwarz:
SABRINA!
meine Sabrina. Ich kam, sah sie und wusste: die oder keine. Das Probereiten verlief dann auch glücklich, das Pferd war leichtrittig, wenn auch sehr groß, Stockmaß etwa 1,80 Meter. Aber mir war das egal, denn Sabrina hatte mein Herz erobert.
Sie hatte ihre Macken: Vollblut unbekannter Herkunft, früher auf Jagden und in der Vielseitigkeit eingesetzt. Wahrscheinlich einmal im Renntraining gewesen und dann als untauglich ausgemustert. Keine Papiere, nur die Info, dass sie 4jährig zu dem Reitstall kam, wo ich sie fand. Dort war sie aufgrund ihrer Schnelligkeit regelrecht verheizt worden. Ein verheilter Griffelbeinbruch und ein Hahnentritt, aber ich in meinr Unerfahrenheit sah diese Einschränkungen nicht, denn ich liebte dieses Pferd von dem Moment an, als ich es zum ersten Mal sah.
Im Gelände war Sabrina unterschrocken, aber sehr schnell. Also in der Gruppe im Galopp kaum zu halten, es sei denn, sie konnte vorne laufen. Unterwegs anhalten oder gar absteigen war nicht möglich.
Einmal ist sie mir beim Aufsteigen davongelaufen, es war im Stadtwald und sie lief auf eine Hauptverkehrsstraße und wurde von der Polizeit eingefangen, hatte zuvor noch einen Mopedfahrer zum Sturz gebracht. Ihr war allerdings nichts passiert und ich konnte auf ihr auch zurück reiten.
Ein anderes Mal stürzte sie bei einem Galopp auf einem Stoppelfeld, wahrscheinlich, weil sie schon damals Beinprobleme hatte und nicht im Gleichgewicht war. Sie lief dann alleine nach Hause, zum Glück über die Autobahnbrücke und nicht über die Autobahn, die direkt neben dem Feld verlief. Ich musste zu Fuß hinterher. (Nicht das letzte Mal, dass ein Pferd vor mir nach Hause kam, aber dazu später noch..)
Im Umgang mit anderen Pferden war sie dominant, aber da damals die Herdenhaltung noch nicht üblich war, sondern die Pferde den größten Teil des Tages in einer Einzelbox standen, fiel die Dominanz nicht so auf und später konnte sich Sabrina sehr wohl in eine Herde integrieren, solange sie die Chefin war. Dann war alles in Ordnung und sie war auch sehr fürsorglich als Leitstute.
So kam ich also zu meinem ersten Pferd: groß, schwarz, schnell und Vollblut!

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