Pferdausbildung–nur was für Profis?

Ich habe meine zwei Jungpferde mit professioneller Unterstützung selbst ausgebildet. Dennoch habe ich Fehler gemacht, vor allem aus Ungeduld. Ich wollte zu schnell zu viel. Mir ging das oft zu langsam voran mit den Fortschritten.

Mit dem ersten eigenen Pferd fing ich auch an mir Gedanken über Reitweisen zu machen. Sabrina ritt ich fast nur gebisslos, da sie sehr empfindlich auf Druck im Maul reagierte.

Viele Jahre war ich Abonnentin der “Freizeit im Sattel”, (bis die Zeitschrift eingestellt wurde), auch schon bevor ich selbst Pferdebesitzerin wurde. Im Jahr 1986 trat ich der Vereinigung für Freizeitreiter bei, die sich für freies Reiten in Wald und Feld und pferdeschonende Reitweisen einsetzt. Mit den traditionellen Reitvereinen konnte ich wenig anfangen. Trotzdem trat ich später dem Reitverein bei, der nahe an meinem Stall residiert, aber vor allem, weil ich die neu gebaute Halle dort nutzen wollte. Außerdem wollte ich da für meinen Reitstil “missionieren”, hatte damit allerdings kaum Erfolg. Was ich allerdings in Gang setzen konnte, war die Ausrichtung eines jährlichen “Orientierungsritts”, den ich anfangs auch noch zum großen Teil  organisierte. Ansonsten wurde meine Reitweise belächelt oder misstrauisch beäugt. In unserem Stall bin ich die einzige, die mit Westernsattel unterwegs ist. Es ist auch schwer eine Reitbeteiligung zu finden, die für das Reiten im Westernsattel und den Reitstil offen ist. Aber zum Thema Reitbeteiligungen komme ich später noch in einem anderen Beitrag, das ist ebenfalls so ein Kapitel für sich.

Durch die “Freizeit im Sattel” kam ich auch die TTEAM-Methode von Linda Tellington-Jones und wurde auf das FS-Testzentrum in Reken aufmerksam.

Dort traf ich Claus Penquitt und war von seiner Reitweise, wie auch von seiner sehr humorvollen Art sehr beeindruckt. Mit Halan besuchte ich zwei Kurse. Einen davon, als ich Halan gerade an den Reiter gewöhnte, wahrscheinlich auch noch viel zu früh. Denn er war in dem Kurs ziemlich zappelig und nervös. Aber wir hatten eine Grundlage zum Weiterarbeiten.

Angeritten habe ich Halan zuerst alleine nach einem Buch über das Westernreiten, ohne Anleitung. Ein bisschen wusste ich vom Stall Leckebusch, wo die Stute meines Partners zum Beritt war. Mein Partner begeisterte sich voll für das Westernreiten, ich glaube, das war für ihn vor allem diese Marlbororomantik: der Cowboy am Lagerfeuer nach einem harten Ritt auf seinem treuen Pferd….oder so ähnlich. Dabei brach ich mir übrigens den kleinen Finger am Sattelhorn. Seitdem trage ich beim Reiten immer Handschuhe und keine Ringe mehr, aber seit vielen Jahren trage ich überhaupt keinen Schmuck mehr.

Ich identifizierte mich ebenfalls zunächst mit dem Westernstil und dem dazu gehörenden Outfit. Ich ritt mit Hut und Chaps… wie peinlich, denke ich heute…Einmal, im Jahr 1991, fuhr ich sogar nach Augsburg zur Americana . Nur als Zuschauerin, versteht sich.

Heute reite ich mit Helm, Handschuhen, und Jodphurreithose und -stiefeletten, es sieht eher nach Gammellook aus, meine Stallarbeitskleidung, auch nicht immer sauber. Aber ich gehe damit trotzdem einkaufen. Das macht mir nichts aus. Es ist halt oft sehr matschig im Offenstallpaddock.

Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich jeglichen Leistungssport mit Pferden sehr kritisch. Den Westernpferden geht es nicht besser als den Dressur- und Springpferden, in Deutschland allemal noch besser als in den USA. Sie führen ein sehr eingeschränktes Leben und das Training ist doch oft ziemlich grob bis brutal. Natürlich gibt es hier auch gute Trainer mit sanfteren  Methoden…Da hat sich in den letzten Jahren viel getan, aber im Sport geht es vor allem um Geld und Prestige, oft zu Lasten der Pferde. Turniere reiten war nie mein Ding, außer mal früher vereinzelt so ein Spaßturnier für Freizeitreiter. Mir fehlte da auch jeglicher Ehrgeiz zu gewinnen.

Lediglich die Freizeitreiterakademie konnte mich dauerhaft überzeugen. Leider ist Claus Penquitt nicht mehr aktiv, er ist in den Ruhestand getreten, aber seine Methode wird von einigen autorisierten Trainern immer noch gelehrt und wurde auch weiter entwickelt, bzw. von den Lehrern der Barock- und spanischen Reitweise  vermittelt, Penquitt schuf eine Synthese zwischen dem altkalifornischen und dem klassischen Reitstil. Ziel war ein entspanntes und harmonisches Freizeitreiten.

Ich profitiere heute noch davon.

Muss allerdings meinen Andalusier-Macho noch von dem Sinn der Methode überzeugen. Dazu dann ein anderes Mal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.